Christian Pravda

Christian Pravda (* 8. März 1927 in Kufstein; † 11. November 1994 in Kitzbühel) war ein österreichischer Skirennläufer. Pravda war Mitglied des so genannten Wunderteams, das Fred Rößner Anfang der 1950er Jahre aus der österreichischen Skinationalmannschaft geformt hatte. Er galt dabei als exzellenter Allrounder. 1954 wurde er Weltmeister in der Abfahrt.

Pravda begann bereits früh mit dem Skisport und wurde 1937 Mitglied im Kitzbüheler Ski Club. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges schaffte er recht schnell den Anschluss an die österreichische Spitze. Seine ersten Erfolge feierte er 1947 in Kitzbühel, als er mit einem Sieg im Slalom und Rang drei in der Abfahrt die Hahnenkamm-Kombination gewann. Diese Leistungen ermöglichten ihm auch eine Teilnahme bei den Olympischen Winterspielen 1948 in St. Moritz. Dort startete er nur im Slalom, konnte diesen aber nicht beenden. 1948 gewann er den Riesenslalom auf der Zugspitze, im folgenden Winter blieb er jedoch ohne Sieg und erreichte als bestes Ergebnis den dritten Platz in der Kombination von Sterzing.
Bei der Weltmeisterschaft 1950 in Aspen war sein bestes Resultat Rang fünf in der Abfahrt. Bei den anschließenden Nordamerika-Rennen feierte der Tiroler wieder mehrere Siege und gewann beide Slaloms und Kombinationen in Stowe. 1951 gewann Pravda mit Siegen in Slalom und Abfahrt zum zweiten Mal die Hahnenkamm-Kombination und erreichte dabei auf der Streif als Erster eine Fahrzeit unter drei Minuten. Auch die Zusatzabfahrt entschied er für sich und ist damit der bisher Einzige, der vier Hahnenkammsiege in einer Saison feiern konnte. Ein weiterer Saisonsieg gelang dem Tiroler im Slalom von Garmisch-Partenkirchen, bei der Arlberg-Kandahar-Abfahrt in Sestriere wurde er Zweiter. 1951 wurde er auch dreifacher Österreichischer Meister im Slalom, im Riesenslalom und in der Kombination.
Im Jahr 1952 gewann Pravda seine ersten Medaillen bei Großereignissen. Bei den Olympischen Winterspielen in Oslo holte er die Silbermedaille im Riesenslalom und die Bronzene in der Abfahrt. Nur im Slalom musste er sich nach schweren Fehlern mit Rang 29 begnügen. Saisonsiege feierte er unter anderem in der Abfahrt von Bad Gastein; in der Arlberg-Kandahar-Kombination in Chamonix wurde er Zweiter. Bei den Österreichischen Meisterschaften 1952 holte er in Slalom und Riesenslalom zwei weitere Titel. Im Winter 1953 gelangen ihm seine größten Erfolge bei den Nordamerika-Rennen: In Stowe gewann er Slalom und Riesenslalom, in Sun Valley siegte er in der Abfahrt und Kombination des Harriman Cups und in Sugar Bowl gewann er den Riesenslalom des Silver Belt.
Im Winter 1953/54 siegte Pravda sowohl bei den Hahnenkammrennen in Kitzbühel als auch am Lauberhorn in Wengen in der Abfahrt und der Kombination. Er gewann auch die Österreichischen Meisterschaften in Abfahrt und Kombination. Zu seinen zahlreichen weiteren Saisonerfolgen zählten unter anderem der Slalom des Arlberg-Kandahar-Rennens in Garmisch sowie die Siege in den beiden Riesenslaloms und der Kombination der 3-Tre-Rennen auf der Marmolata. Zum Höhepunkt seiner Karriere wurde die Weltmeisterschaft 1954 im schwedischen Åre. Zwar verfehlte er zunächst mit Platz vier im Slalom knapp das Podest und kam im Riesenslalom nur auf Rang 14, siegte dann aber in der Abfahrt mit über zwei Sekunden Vorsprung auf seinen Landsmann Martin Strolz und erreichte somit auch noch die Silbermedaille in der Kombination. Pravda wurde damit der zweite österreichische Abfahrtsweltmeister nach Franz Zingerle 1935.
Im nächsten Winter erlitt seine Karriere jedoch einen schweren Rückschlag. Nachdem er für Werbeaufnahmen einer französischen Skifirma Modell gestanden hatte, und damit gegen die Amateurregeln verstieß, wurde er für ein Jahr gesperrt und versäumte auch die Olympischen Spiele 1956. Danach feierte er vor allem bei den Rennen in Nordamerika Erfolge. 1956 gewann Pravda in Sun Valley, wo er mittlerweile lebte und als Skilehrer tätig war, Abfahrt, Slalom und Kombination des Harriman Cups sowie den Riesenslalom des Silver Belt. Ein Jahr später konnte er die Siege im Silver Belt sowie in Slalom und Kombination des Harriman Cups wiederholen und gewann darüber hinaus den Slalom in Squaw Valley sowie Abfahrt und Kombination in Aspen. Auch 1958 gelangen ihm mehrere Siege und er wurde zum dritten Mal Österreichischer Meister im Slalom, eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft war ihm aber nicht möglich. Die letzten Siege bei Amateurrennen feierte er 1959 im Riesenslalom von Squaw Valley und mit einem erneuten Dreifacherfolg in Slalom, Abfahrt und Kombination beim Harriman Cup in seiner Wahlheimat Sun Valley. Danach nahm er an den amerikanischen Profirennen teil und feierte auch dort einige Erfolge. 1963 wurde er inoffizieller Profi-Weltmeister.
Seine Skilehrertätigkeit in den Vereinigten Staaten führte Pravda weiter fort und unterrichtete dabei zahlreiche Prominente aus den USA und aller Welt. Anfang der 1970er Jahre kehrte er nach Österreich zurück und war einige Jahre als Servicemann einer Skifirma tätig. 1994 verstarb Pravda im Alter von 67 Jahren in Kitzbühel an den Folgen eines Herzinfarktes. Er wurde auf dem Stadtfriedhof Kitzbühel beigesetzt.
Christian Pravda wurde achtfacher Österreichischer Meister:
1931: Walter Prager | 1932: Gustav Lantschner | 1933: Walter Prager | 1934: David Zogg | 1935: Franz Zingerle | 1936: Rudolf Rominger | 1937: Émile Allais | 1938: James Couttet | 1939: Hellmut Lantschner | 1948: Henri Oreiller | 1950: Zeno Colò | 1952: Zeno Colò | 1954: Christian Pravda | 1956: Toni Sailer | 1958: Toni Sailer | 1960: Jean Vuarnet | 1962: Karl Schranz | 1964: Egon Zimmermann | 1966: Jean-Claude Killy | 1968: Jean-Claude Killy | 1970: Bernhard Russi | 1972: Bernhard Russi | 1974: David Zwilling | 1976: Franz Klammer | 1978: Josef Walcher | 1980: Leonhard Stock | 1982: Harti Weirather | 1985: Pirmin Zurbriggen | 1987: Peter Müller | 1989: Hansjörg Tauscher | 1991: Franz Heinzer | 1993: Urs Lehmann | 1996: Patrick Ortlieb | 1997: Bruno Kernen | 1999: Hermann Maier | 2001: Hannes Trinkl | 2003: Michael Walchhofer | 2005: Bode Miller | 2007: Aksel Lund Svindal | 2009: John Kucera | 2011: Erik Guay | 2013: Aksel Lund Svindal | 2015: Patrick Küng

Weibliche Brust

Die weibliche Brust (lat. Mamma, Pl. Mammae) zählt anatomisch zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen der Frau. Die Brust besteht aus Fett- und Bindegewebe sowie der Brustdrüse (Glandula mammaria). Diese kann bei stillenden Frauen als Sekret Muttermilch durch feine Ausführungsgänge abgeben, die auf der Brustwarze münden. Die Brustdrüse entspricht der Milchdrüse der übrigen Säugetiere.
Die biologische Funktion ist zunächst das Stillen von Säuglingen mit Muttermilch. Da jedoch die meisten weiblichen Primaten im Verhältnis zu den jeweiligen männlichen Artgenossen wesentlich weniger ausgeprägte Brüste haben als Frauen, wird angenommen, dass die weiblichen Brüste zusätzlich ein speziell menschlicher Sexualdimorphismus sind und ihre Anziehungskraft auf potentielle Partner eine zweite wesentliche Funktion ausmacht. Die Brüste – vor allem die Brustwarzen – gehören zu den erogenen Zonen.
In der Medizin beschäftigt sich die Senologie mit den Erkrankungen der weiblichen Brüste. Eine der häufigsten Erkrankungen dieser Art ist der Brustkrebs.

Im embryonalen Entwicklungsstadium entsteht bei beiden Geschlechtern die Anlage zur Brustdrüse aus dem Ektoderm. Die Brustentwicklung findet bei Mädchen durch hormonelle Umstellungen während der Pubertät statt. Während der Schwangerschaft und Laktation erfüllt die Brustdrüse ihre Funktion als Milch absondernde Drüse. Im Alter verändert sich die Form und Größe der Brust durch eine Reduzierung des Fett- und Bindegewebes.
Die Brust befindet sich unter der Haut auf dem großen Brustmuskel und dem kleinen Brustmuskel, sie erstreckt sich dort von der zweiten bis zur siebten Rippe.
Die Lücke oder Rinne zwischen den beiden Brüsten heißt Busen; auf lateinisch: Sulcus bzw. Sinus intermammarius.
Weibliche Brüste haben die unterschiedlichsten Formen und Größen. Diese hängen von genetischen Faktoren und dem Anteil des Fett- und Bindegewebes ab. Hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklus oder Hormonveränderungen während der Schwangerschaft beeinflussen die Form und Größe einer Brust ebenfalls.
Entgegen landläufiger Meinung wird das zunehmende Durchhängen der Brust (medizinischer Fachbegriff: Mastoptosis) nicht vom Stillen verursacht, sondern neben der Lockerung des Bindegewebes unter anderem von der Brustgröße vor der Schwangerschaft, vom Body-Mass-Index, vom Rauchverhalten und vom Medikamentenkonsum.
Der Feinbau der Brustdrüse ist abhängig vom Menstruationszyklus, von einer Schwangerschaft oder Stillperiode. Nur während dieser ist die Drüse voll ausgebildet. Das kleinste System der Brustdrüse ist das Drüsenläppchen (Lobulus glandulae mammariae), das ein Hohlraumsystem ist. Ein Lobulus setzt sich hauptsächlich aus den Milchbildungszellen (Drüsenepithelen, auf der Abbildung „Sekretionzelle“), einem Lumen, in dem sich die Milch sammelt, und zu einem kleineren Anteil aus Myoepithelzellen, die die Milch aus dem Lobulus pressen, zusammen. Alle Zellen haben sich azinös (beerenartig) um das Lumen gruppiert.
Das Lumen hat einen Ausführungsgang, den Terminalduktus. Dieser mündet in einem kleinen Milchgang, den Ductus lactifer. Der gesamte Lobulus ist von einer dünnen Kollagen-Schicht umgeben.
Der zweitgrößte Komplex ist die Ansammlung mehrerer Lobuli zu einem traubenförmigen Lobus (Drüsenlappen), dem Lobus glandulae mammariae. Aus dem Lobus führt ein großer Milchgang, der Ductus lactifer colligens, der sich aus dem Gangsystem der kleinen Milchgänge, gebildet hat. Jeder große Milchgang mündet in der Brustwarze. Kurz vor der Einmündung in die Brustwarze erweitert sich der große Milchgang zu einem Milchsäckchen, dem Sinus lactifer. Die Brustdrüse enthält insgesamt 10 bis 20 Lobi, die zusammen mit den großen Milchgängen fast sternförmig um die Brustwarze herum angeordnet sind.
Leicht unterscheidbar sind die erhabenen hellbraunen oder hellroten bis dunkelbraunen Brustwarzen, inmitten des flacheren gleichfarbigen Warzenhofes (lat. Areola), der sich wiederum in der Mitte der Brust befindet. Berührungen der Brustwarzen wirken oft stimulierend, erregen den Geschlechtstrieb oder führen insbesondere nach der Schwangerschaft zur Absonderung von Muttermilch. Diese tritt aus mehreren Öffnungen auf der Oberfläche der Brustwarze aus und kann herausgesaugt werden oder bei Druck auf die Brust auch in feinen Strahlen herausspritzen.
Der Lymphabfluss aus der Brustdrüse erfolgt hauptsächlich über die Achsellymphknoten. Aber auch die im Brustkorb gelegenen Lymphknoten entlang der Aa. mammariae drainieren die Brust.
Krankhafte Veränderungen der Brüste kann man durch Abtasten, genaue Betrachtung der Haut, Ultraschalluntersuchung, Mammografie, Magnetresonanztomographie und Gewebeprobenentnahmen feststellen.
Eine Entzündung der Brust wird Mastitis genannt, ein Spannungsschmerz Mastodynie. Gutartige Umbauvorgänge sind die Mastopathie, das Milchgangpapillom, Fibroadenom und Zysten. Vergrößerungen der Brust, die durch die Überproduktion endogener bzw. die Zufuhr exogener Hormone verursacht wird, bezeichnet man als Hypertrophie.
Einer der häufigsten Tumoren bei Frauen ist der Brustkrebs (Mammakarzinom), der in verschiedenen Formen auftritt (DCIS, LCIS, invasives duktales Karzinom, invasives lobuläres Karzinom, inflammatorisches Mammakarzinom, Paget-Karzinom)
Als Fehlbildung kann es entlang der Milchleisten zu überzähligen Brustwarzen (Polythelie) oder überzähligen Brustdrüsen (Polymastie) kommen. Das angeborene Fehlen der Brustdrüsenanlage, z.B. beim sehr seltenen Limb-Mammary-Syndrom wird Amastie genannt.
Die Brust und ihr Anblick stellen für mögliche Sexualpartner einen wichtigen erotischen Reiz dar. Dabei unterscheiden sich die Vorlieben für verschiedene Brustgrößen und -formen sowohl bei den Frauen selbst als auch bei Männern stark und haben sich auch durch die Zeit und Modeepochen hinweg sehr gewandelt. Zumal die weibliche Brust wie alle übrigen Körperformen und biologischen Merkmale einer großen Variabilität unterliegen (Phänotypische Variation). In den 1990er Jahren fand der Begriff der Side Boobs im englischen Sprachraum Einzug, eine abwertende Bezeichnung für eine bei älteren Frauen häufig auftretende Vergrößerung des Gewebes zwischen Brustaußenseite und Achselbereich. Der Begriff wird zunehmend auch im Deutschen verwendet. Die medizinische Bezeichnung ist Tail of Spence.
Die Brust ist ein beliebtes Motiv in erotischen und Aktdarstellungen.
Zunehmend häufiger werden Plastische Operationen durchgeführt: Möglich sind sowohl Brustvergrößerungen durch Implantate als auch Brustverkleinerungen durch Entfernung von Fett-, Drüsen- oder Bindegewebe.
Beim Brustwarzenpiercing wird die Brustwarze durchstochen, um Schmuck daran anzubringen.
Bei einer sexuellen Erregung stellen sich die Brustwarzen auf und auch der Bereich um die Brustwarze herum, der sogenannte Hof, schwillt an. Diese Erektion der Brustwarzen wird nicht (wie bei den Genitalien) durch Schwellkörper verursacht, sondern durch eine Kontraktion der glatten Muskulatur, die vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird. Sie hat mehr Ähnlichkeit mit der Aufrichtung von Haarfollikeln; sie wird durch denselben Reflex des Haarbalgmuskels hervorgerufen, der auch Gänsehaut verursacht. Wie ein Penis und eine Klitoris kann eine erigierte Brustwarze intensive Emotionen hervorrufen. So ist bei manchen Frauen ein Orgasmus durch die Stimulierung der Brustwarzen möglich.
Die Brüste menschlicher Frauen sind wesentlich größer als die verwandter weiblicher Primaten und stellen ein besonderes Attraktivum dar. Der britische Zoologe Desmond Morris stellte daher die These auf, dass die humanen Brüste eine Nachbildung der ähnlich aussehenden weiblichen Hinterbacken darstellen, die bei einigen Affenarten ein sexuelles Signal sind. Morris betrachtet diese Nachbildung als Anpassung an den aufrechten Gang, durch den die Unterseite der Vormenschen zur wichtigeren Vorderseite des Menschen wurde.
Die Zoologen Avishag und Amotz Zahavi entwickelten aus dieser Erkenntnis die Handicap-Theorie, die besagt, dass durch die unnützen Körperteile (oder Verhaltensweisen) möglichen Fortpflanzungspartnern demonstriert wird, wie gesund und robust der eigene Organismus ist, da er die zusätzliche Last zu tragen vermag. Ein typisches Merkmal solch sexuell selektierter Merkmale ist eine erhebliche Variation in der Bevölkerung. Da die menschlichen Brüste durch die Einlagerung höchst unterschiedlicher Mengen Fettgewebes bei verschiedenen Frauen deutlich unterschiedliche Größen haben können, ist eine Evolution der Brüste als Fitness-Signal für Partner sehr wahrscheinlich und legt den Schluss nahe, dass die Hauptfunktion beim Menschen tatsächlich in Richtung der Attraktion von Männern verlagert ist. Der hohe Gehalt an unter nicht-industriellen Bedingungen sehr energieaufwändigem Fettgewebe und die Belastung der Wirbelsäule durch große Brüste unterstützt diese Theorie zur Entwicklung dieses Körperteils.

Geschichte des Senats der Vereinigten Staaten

Die Geschichte des Senats ist die Geschichte einer der beiden Kammern des Kongresses, dem Parlament der Vereinigten Staaten. Sie beginnt mit der Ratifikation der Verfassung am 4. März 1789.
Der Senat entstand vor allem aus zwei verschiedenen Erwägungen. Zum einen sollte er, ähnlich dem britischen House of Lords, eine stabilisierende und mäßigende Wirkung auf die Legislative und das gesamte politische System der Vereinigten Staaten ausüben. Zum anderen setzten die kleineren Bundesstaaten durch, dass im Senat jeder Staat durch die gleiche Anzahl von Senatoren vertreten wird. Ihre Hoffnung, dadurch direkten Einfluss auf die politische Zentralgewalt zu gewinnen, zerschlug sich jedoch schnell.
In der Geschichte des amerikanischen Kongresses unterschieden ihn vom Repräsentantenhaus zum einen seine andere Zusammensetzung, die kleineren Staaten ein größeres Gewicht gab als im House, zum anderen in formelleren Regeln und die damit verbundene größere Freiheit für einzelne Senatoren, die ursprünglich daraus resultierte, dass es eine Kammer der Deliberation und nicht des politischen Handelns werden sollte.
Nachdem er in den frühen Jahren klar die weniger prestigeträchtige und faktisch weniger mächtige Kammer war, drehte sich diese Reihenfolge seit dem frühen 19. Jahrhundert. Durch die Auseinandersetzungen mit Präsident Andrew Jackson gewann der Senat eigenes Profil. In den Jahren vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg war er das wichtigste Diskussionsforum zwischen den sklavenhaltenden Südstaaten und den abolitionistischen Nordstaaten. Wichtige Kompromisse der damaligen Zeit wie der Missouri-Kompromiss oder der Kompromiss von 1850 wurden primär im Senat ausgehandelt.
Nach dem Bürgerkrieg sorgte allerdings die Liberalität der internen Geschäftsordnung dafür, dass die im so genannten Gilded Age weit verbreitete politische Korruption sich im Senat besonders einfach ausbreiten konnte. Wichtige Reformen des frühen 20. Jahrhunderts wie die Einführung der Direktwahl der Senatoren durch den 17. Zusatzartikel zur Verfassung, die erstmalige Möglichkeit, eine Debatte durch Mehrheitsbeschluss zu beenden, oder die Möglichkeit, professionelle Mitarbeiter einzustellen, sorgten für eine nachhaltige Modernisierung des Senats.
In den folgenden Jahrzehnten nahm er so immer wieder eine wichtige Rolle im politischen System ein. Er verhinderte den Beitritt der Vereinigten Staaten zum Völkerbund, im Senat hatte Joseph McCarthy seine Machtbasis, ebenso wie die großen parlamentarischen Debatten zu den Civil Rights Acts hier stattfanden.
Im Senat wurden insgesamt drei Impeachment-Verfahren gegen Präsidenten verhandelt. Während der Senat Andrew Johnson 1868 und Bill Clinton 1998 freisprach, trat Richard Nixon 1974 vor Verfahrensende zurück, um der wahrscheinlichen Amtsenthebung zu entgehen.

Der Senat entstand zusammen mit der Verfassung und den anderen politischen Institutionen der Vereinigten Staaten auf der Philadelphia Convention 1787. Die Verfassung trat am 4. März 1789 durch die Ratifikation in den einzelnen Bundesstaaten in Kraft. Sie machte aus dem vorher existierenden Staatenbund einen Bundesstaat und schuf eine wesentlich ausgeprägtere Zentralgewalt als vorher vorhanden, in der der Senat ein wichtiges Element werden sollte.
Der Senat löste zusammen mit dem Repräsentantenhaus den Kontinentalkongress ab, der seit dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg die einzige Zentralgewalt der Vereinigten Staaten bildete. Der Kontinentalkongress war ein Einkammernparlament, in dem jeder Staat eine Stimme hatte. Ihm standen weder Exekutive noch Judikative zur Seite, ebenso hatte er keinen Einfluss auf wichtige Bereiche der Wirtschaftspolitik wie Steuergesetze oder die Einfuhrzölle zwischen den verschiedenen Mitgliedsstaaten. Die Staaten maßen der zentralen Regierung nur eine geringe Bedeutung zu und entsandten oft erst gar keine Abgeordneten, so dass der Kongress für lange Zeiträume beschlussunfähig blieb.
Insbesondere in wirtschaftlichen Fragen führte dies früh zu Problemen, da der Handel zwischen den Staaten so verkompliziert wurde. Der Senat in seiner Form entstand als Kompromiss zwischen den Vertretern einer starken Zentralgewalt mit einer starken Legislative und den Vertretern von weitgehend unabhängigen Bundesstaaten, die durch ihn ihren Einfluss auf gesamtstaatlicher Ebene sichern wollten.
Die 55 Verfassungsväter gingen bei ihren Planungen größtenteils von einem Zweikammerparlament aus, wie sie ihn im Virginia-Plan darlegten. Abgesehen von Pennsylvania hatten zu diesem Zeitpunkt bereits alle Mitgliedsstaaten der Konföderation ein Zweikammerparlament. Neben dem offensichtlichen Beispiel vor ihrer Haustür hat die englische Tradition mit dem House of Lords und dem House of Commons die Verfassungsväter inspiriert; sowohl Alexander Hamilton als auch John Adams hielten erklärtermaßen das britische Regierungssystem für ein Vorbild, dem es nachzueifern galt. Zum anderen sahen sie es als notwendigen Ausgleich innerhalb der Legislative. Da die Verfassungsväter annahmen, dass die Legislative das dominierende Element im politischen System werden würde, meinten sie, dass die gewöhnliche Gewaltenteilung nicht ausreiche, und wollten zwei Elemente in der Legislative. James Madison begründete es in Federalist Nr. 51:
“In republican government the legislative power necessarily predominates. The remedy for this inconvenience is to divide the legislature into different branches; and to render them, by different modes of election and different principles of action, as little connected with each other as the nature of their common functions dependence on the society will admit.”
„In einer republikanischen Staatsform dominiert die Legislative notwendigerweise. Das Gegenmittel für diese Unbequemlichkeit ist es die Legislative in verschiedene Teile aufzuteilen, und sie, durch verschiedene Wahlverfahren und verschiedene Handlungsprinzipien, so wenig miteinander verbunden zu halten, wie es die Natur ihrer Abhängigkeit ihrer gemeinsamen Funktionen von der Gesellschaft erlaubt.“
Dem Senat kam in diesem Konzept die Rolle einer stabilisierenden und kontrollierenden Kammer zu, die sich am britischen Oberhaus, dem House of Lords, orientierte. Er stand damit im Gegensatz zum Repräsentantenhaus, dass die Volksmeinung und den Volkswillen direkt widerspiegeln sollte. Während das Repräsentantenhaus exklusive Rechte bekam, in denen es aktiv werden konnte – das alleinige Initiativrecht bei Finanzgesetzen und die Möglichkeit, ein Impeachment-Verfahren zu starten – lagen die exklusiven Rechte des Senats in kontrollierenden Bereichen: er entscheidet bei Impeachment-Verfahren und seine Zustimmung ist notwendig, wenn der Präsident völkerrechtliche Verträge schließt oder Stellen besetzen will.
Diese Unterscheidung setzte sich in der anvisierten Mitgliedschaft fort. Sie sollte, dem Delegierten John Dickinson aus Pennsylvania zufolge:
“consist of the most distinguished characters, distinguished for their rank in life and their weight of property, and bearing as strong a likeness to the British House of Lords as possible.”
„aus den ausgezeichnetsten Persönlichkeiten bestehen; ausgezeichnet für ihre Position im Leben und das Gewicht ihres Eigentums und [der Senat] sollte dem Britischen House of Lords so ähnlich sein wie möglich.“
Senatoren mussten älter sein als Abgeordnete im Repräsentantenhaus (mindestens 30 Jahre im Gegensatz zu mindestens 25 Jahren), länger die amerikanische Staatsbürgerschaft haben (neun Jahre im Gegensatz zu sieben), ihre Amtszeit ist mit sechs Jahren dreimal so lang wie die der Repräsentanten und sie wurden damals nicht direkt gewählt, sondern von den jeweiligen Parlamenten der Bundesstaaten ernannt; unter anderem sollten sie so den Strömungen und Stimmungen der Tagespolitik entzogen werden. Die Namensgebung orientiert sich daran: Während das House die Bevölkerung repräsentieren sollte, sollte der Senat für Tradition und Kontinuität der Republik stehen, die Verfassungsväter benannten ihn nach dem Römischen Senat.
Die Tatsache, dass im Senat die Staaten alle durch zwei Abgeordnete ohne die geringste Rücksicht auf die Bevölkerungszahl der Staaten vertreten werden, entsprang weniger politisch-philosophischen Überlegungen, sondern war eine Konzession an die kleinen Staaten, damit diese der Verfassung zustimmten. Am Anfang der Verhandlungen waren die Delegierten der kleinen Staaten mit dem New-Jersey-Plan in die Verhandlungen gegangen, der eine Kammer mit je einem Sitz pro Staat vorsah.
Während der Philadelphia Convention einigte man sich auf den Connecticut-Kompromiss, der sich in der Gestaltung des Senats weitgehend an dem im New-Jersey-Plan angestrebten Parlament orientierte. Trotz erheblichen Widerstands – unter anderem waren Hamilton, Benjamin Franklin, George Washington und James Wilson gegen den Plan – konnten sich die kleineren Staaten letztlich durchsetzen. Sie drohten zwischenzeitlich, sich ausländische Mächte als Verbündete zu suchen, sollten sie keinen Erfolg haben. Die entscheidende Abstimmung erfolgte nach Staaten, so dass die Befürworter einer gleichen Repräsentation sich durchsetzen konnten, obwohl sie trotz aller Drohungen und Verhandlungen immer noch weniger Einwohner repräsentierten als die Gegner.
Sowohl James Madison als auch der Delegierte Gunning Bedford Jr. aus dem kleinsten Staat Delaware gaben unumwunden zu, dass es keine systematische Begründung für diese Sitzverteilung gab, sondern dies einfach Realpolitik war. Madison beschrieb es in Federalist 62 als
“[I]t is superfluous to try, by the standard of theory, a part of the Constitution which is allowed on all hands to be the result, not of theory, but ‘of a spirit of amity, and that mutual deference and concession which the peculiarity of our political situation rendered indispensable.’”
„Der Versuch ist überflüssig, einen Teil der Verfassung theoretisch zu rechtfertigen, der nicht aus Theorie resultierte, sondern aus einem Geist von Freundschaft, gemeinsamer Ehrerbietung und Zugeständnissen, die die besondere Lage unser Position unabdingbar machten.“
Gunning rechtfertigte sich:
“Can it be expected that the small states will act from pure disinterestedness? Are we to act with greater purity than the rest of mankind? ”
„Kann man erwarten, dass die kleinen Staaten aus reinem Desinteresse handeln? Müssen wir selbstloser handeln als der Rest der Menschheit?“
Dabei hat sich das Missverhältnis zwischen Einwohnerzahl und Vertretung im Parlament seit der Senatsgründung noch verstärkt. Hatte damals der größte Staat Virginia das zwölffache der Bevölkerung des kleinsten Delaware, so hat heute Kalifornien etwa siebzig mal so viele Einwohner wie Wyoming. 1790 konnten theoretisch 30 % der amerikanischen Bevölkerung eine Senatsmehrheit wählen, heute sind es 17 %.
Der Senat traf sich zu seiner ersten Sitzung am 4. März 1789 in der Federal Hall in New York City. Er erreichte die für die Beschlussfähigkeit notwendige Anzahl Senatoren am 6. April desselben Jahres. Am 6. Dezember 1790 zog er in die Congress Hall nach Philadelphia um, wo er tagen sollte, bis die neue Hauptstadt Washington, D.C. errichtet war. Am 17. Dezember 1800 zog er schließlich an seinen neuen Sitz, den Nordflügel des Kapitols in Washington, wo er bis heute tagt.
Die genaue Stellung, die Aufgaben und die Arbeitsweise des Senats waren anfangs weder den Senatoren selbst noch den anderen Akteuren im politischen System vollkommen klar. Von ihm ging weit weniger Initiative in der Gesetzgebung aus als vom klarer definierten House, und in den ersten Jahren lag das Prestige der Senatoren deutlich hinter dem der Repräsentanten oder auch nur hinter dem der Abgeordneten in den Staatslegislativen. Die Bezahlung war für das vergleichsweise teure Leben in Philadelphia eher schlecht und, aufgrund der bescheidenen Reisemöglichkeiten im 18. Jahrhundert, bedeutete die Senatsernennung lange Monate der Trennung von der Familie. Viele Senatoren zogen es daher vor, im Frühjahr und Sommer nicht an den Sitzungen teilzunehmen – die gesamten 1790er hindurch fehlte etwa ein Viertel der Senatoren bei diesen Sitzungen. Rücktritte kamen so häufig vor, dass etwa ein Drittel der Senatoren ihre Amtszeit freiwillig frühzeitig beendeten.
Die Bundesstaaten hofften durch die direkt entsendeten Senatoren eine Stimme auf Bundesebene zu haben: allerdings fehlten ihnen dazu die Kontrollmöglichkeiten, so dass die Senatoren von Anfang an relativ unabhängig agieren konnten. Die Bundesstaaten konnten – anders als beim Kontinentalkongress – die Senatoren nicht ihres Amtes entheben. Auch die Möglichkeit, ihnen die Wiederwahl zu verweigern, hatte nur geringe praktische Konsequenzen: die Amtszeit der Senatoren war länger als die der Parlamente auf bundesstaatlicher Ebene, so dass ein anweisendes Parlament schon nicht mehr in dieser Zusammensetzung existieren konnte, wenn es um die Wiederwahl des Senators ging.
Die Senatoren selbst mussten sich ihr Selbstverständnis erst erarbeiten, da die Verfassung ihre Rolle offen definiert hatte: sie konnten Vertreter der Bundesstaaten sein, wie diese hofften; sie konnten eine Klasse bürgerlichen Wohlstands vertreten, wie es die intendierte Zusammensetzung des Gremiums nahelegte; ein erweitertes Beratergremium für den Präsidenten sein, wie es die Exklusivrechte des Senats nahelegten, oder eine Gruppe elder statesman, die unangetastet vom Tagesgeschäft berieten.
Weitgehend unklar war auch die Rolle des Vizepräsidenten: Offiziell der Präsident des Senats, war er doch kein reguläres Mitglied; er hatte zwar im Fall eines Patts die entscheidende Stimme, bei allen anderen Abstimmungen jedoch gar kein Stimmrecht. Während frühe Vizepräsidenten noch aktiv Gesetze entwarfen und sich an den Debatten beteiligten, begann der Senat schnell, den parlamentarischen Außenseitern diese Rechte zu nehmen und die Rolle des Senatspräsidenten zu einer vor allem formalen herabzustufen.
Der erste Vizepräsident der Vereinigten Staaten, John Adams, besuchte die Senatssitzungen noch regelmäßig. Sein übertrieben formeller Auftritt und seine Neigungen, im Plenum Vorlesungen zu verfassungsrechtlichen Fragen zu halten, machten ihn jedoch eher zum Gespött der Senatoren, so dass er kaum einen Machtfaktor darstellte. Der Senat zwang Adams schließlich, sich stärker zurückzuhalten. Die Senatoren setzten eine Resolution auf die Tagesordnung, die Adams in allen Angelegenheiten bis auf Geschäftsordnungsfragen das Rederecht entzogen hätte. Adams verstand und hielt sich zurück, so dass die Resolution nicht verabschiedet werden musste.
Sollte der Senat eigentlich das kontrollierende Gremium sein, das einen mäßigenden Einfluss der Entschleunigung ausübte, verhielt es sich in den frühen Jahren der Vereinigten Staaten umgekehrt. Die großen Duelle zwischen Exekutive und Legislative fanden im Repräsentantenhaus statt; sowohl Hamiltons Initiative zum Aufbau der Bank of the United States als auch die Assumption Bill mussten erst vehemente Opposition im Repräsentantenhaus überwinden, während der Senat sie schnell und unkompliziert verabschiedete.
Der Senat verstand sich anfangs als ein geheim tagendes Gremium, das nur gelegentlich einen Bericht über seine Tätigkeiten veröffentlichte. Die erste offizielle Entscheidung des Senats überhaupt war es, einen Türsteher einzustellen. In den ersten fünf Jahren veröffentlichte der Senat nicht einmal Sitzungsprotokolle. Seit 1794 tagte der Senat öffentlich. Die Presse allerdings zeigte in diesen frühen Jahren auch noch wenig Interesse, sich mit Senatsangelegenheiten zu beschäftigen, die an Bedeutung und auch an Spannung weit hinter denen des Repräsentantenhauses zurückstanden.
Thomas Jefferson begann als Vizepräsident 1797 den noch heute maßgeblichen Stil der Vizepräsidenten im Umgang mit dem Senat zu entwickeln. Er besuchte die Sitzungen nur noch unter besonderen Umständen. Jefferson verfasste Jefferson’s Manual, die stringenteste und umfassendste Sammlung zur damaligen parlamentarischen Praxis. Ursprünglich für den Senat geschrieben, ergänzt es noch heute die geschriebene Geschäftsordnung des Repräsentantenhauses.
Bis 1809 hatte sich ein einigermaßen stabiles Ausschusssystem entwickelt, seit 1816 gibt es ständige Ausschüsse in der heutigen Form. In den Periode vor dem Sezessionskrieg begannen die Parteien erstmals, spürbareren Einfluss auszuüben: Seit 1835 setzte sich das Prinzip durch, dass die Mehrheitspartei den Vorsitz in allen Ausschüssen und die Mehrheit der Mitglieder in den meisten von ihnen stellte. Seit 1846 besetzt der Senat die Ausschüsse aufgrund der Empfehlung der Parteien und nicht mehr durch individuelle Abstimmung aller Senatoren im Plenum, so dass sich ein koordiniertes Vorgehen in den Fraktionen durchsetzen konnte. Ebenfalls seit 1846 entstand die heutige Sitzordnung, nach der die Senatoren nach Parteien getrennt sitzen.
Der Senat hatte zu dieser Zeit noch wenige Mitglieder, so dass es, anders als im House, nicht nötig wurde, die prozeduralen Regeln zu ändern, um eine effektivere Arbeit zu ermöglichen. Bei so wenigen Mitglieder, wie der Senat sie hatte, konnte beispielsweise jeder Interessierte zu einem Thema sprechen, ohne die Sitzungen unendlich in die Länge zu ziehen, ebenso wie er Änderungsanträge zu jedem Gesetz einbringen konnte.
Als erster Nicht-Christ trat 1845 der jüdische Demokrat David Levy Yulee aus Florida sein Amt als Senator an.
1804 widersetzte sich der Senat sowohl dem Präsidenten als auch der öffentlichen Meinung: Das Repräsentantenhaus hatte ein Impeachment-Verfahren gegen den Richter am Supreme Court, Samuel Chase, angestrengt. Der demokratisch-republikanisch dominierte Senat stimmte mit 18 zu 16 gegen die Absetzung des föderalistischen Richters, was der damalige Vizepräsident Aaron Burr kommentierte:
“This House is a sanctuary; a citadel of law, of order, and of liberty; and it is here-–in this exalted refuge; here if anywhere, will resistance be made to the storms of political phrensy and the silent arts of corruption.”
„Dieses Haus ist eine Zuflucht; eine Zitadelle des Rechts, der Ordnung und der Freiheit; und es ist hier – in diesem erhabenen Refugium; hier wenn überhaupt, dass Widerstand gegen die Stürme des politischen Rauschzustands und die stille Kunst der Korruption geleistet werden.“
Die Abstimmung und das gescheiterte Impeachment-Verfahren waren ein wichtiger Meilenstein darin, dass sich in den Vereinigten Staaten eine vom Gesetzgeber unabhängige Justiz entwickeln konnte. Der Senat begann in dieser Zeit auch in anderen Punkten, seine Unabhängigkeit von der Regierung zu demonstrieren, und das erste Mal eine ausgesprochen entschiedene Oppositionshaltung gegen die amtierende Regierung zu entwickeln: Am 28. März 1834 rügte er offiziell Präsident Andrew Jackson, da dieser versuchte, sich Vollmachten des Kongresses anzueignen. Am 24. Juni desselben Jahres lehnte er erstmals ein vorgeschlagenes Regierungsmitglied ab: Roger B. Taney wurde nicht Finanzminister der Vereinigten Staaten. Die Auseinandersetzungen mit Jackson erreichten ein bis dato unbekanntes Ausmaß und führten dazu, dass sich mit den Whigs eine neue Partei bildete. Nachdem es den Jackson-Anhängern gelungen war, die Mehrheit im Senat zu gewinnen, widerriefen sie alle Beschlüsse des alten Senats in diesen Auseinandersetzungen.
Aufgrund der Offenheit und Liberalität in den internen Regeln begann der Senat sich als primäres Diskussions- und Streitforum der Nation zu entwickeln, in denen alle vertretenen Standpunkte ausreichend Zeit und Raum hatten, sich darzustellen. Bekannt wurden die Debatten in den Jahren vor dem Sezessionskrieg zwischen Nord- und Südstaatlern, Gegnern und Verfechtern der Sklaverei.
Die Zeit vor Ausbruch des Sezessionskriegs gilt als „Goldenes Zeitalter“ des Senats. Senatoren wie Daniel Webster, Thomas Hart Benton oder Henry Clay für die Nordstaaten; John C. Calhoun, Jefferson Davis und Stephen A. Douglas für die Südstaaten, reichten an öffentlicher Bekanntheit und Beliebtheit an Präsidenten heran oder strahlten gar über diese hinaus.
Der Senat konnte seine Rolle in der Zeit vor dem Bürgerkrieg ausspielen, da er personell anders zusammengesetzt war als das Repräsentantenhaus. Die bevölkerungsschwachen sklavenhaltenden Südstaaten waren im Senat weit stärker vertreten als im Repräsentantenhaus. Während es im House für die Nordstaaten kein Problem war, die Südstaaten zu überstimmen, hielt sich im Senat ein ungefähres Gleichgewicht, das es nötig machte, Kompromisse zu finden, die dann auch längere Zeit tragfähig genug waren, die Nation zusammenzuhalten. Der von Henry Clay im Senat formulierte Missouri-Kompromiss von 1820 hielt die Union noch 30 Jahre zusammen, während der von Clay und Douglas ausgehandelte Compromise of 1850 den Vereinigten Staaten immerhin noch zehn Jahre verschaffte, bevor der Krieg ausbrach.
Als herausragendste Debatte ging die Webster-Hayne-Debatte zwischen Daniel Webster aus Neuengland und dem Südstaatler Robert Y. Hayne ein. Eine andere Rede Websters zum Thema allerdings, die vom 7. März 1850, ist noch heute Pflichtlektüre in den meisten amerikanischen Schulen, beendete allerdings seine politische Karriere. Er hatte in dieser zur Versöhnung zwischen Nord- und Südstaaten aufgerufen, was in seiner abolitionistischen Heimat Neuengland als Verrat aufgenommen wurde; unter anderem der Schriftsteller Ralph Waldo Emerson riet Webster, nie wieder den Mund zu öffnen. Webster trat kurze Zeit später zurück.
Noch tragischer ging der sklavereifeindliche Demokrat David C. Broderick aus Kalifornien in die Senatsgeschichte ein, der sich so sehr mit der mehrheitlich sklavereibefürwortenden Demokratischen Partei in Kalifornien zerstritt, dass es schließlich zum Duell kam; Broderick wurde als bisher einziger Senator im Amt bei einem Duell erschossen. In den letzten Jahren vor dem Krieg zeigte sich die Anspannung aber auch zunehmend im Senat. Senator Charles Sumner aus Massachusetts hatte Senator Andrew Butler aus South Carolina unterstellt, er hätte die „Häßliche, dreckige Geliebte namens Sklaverei“, woraufhin Butlers Neffe, der Kongressabgeordnete Preston Brooks, Sumner wenige Tage später mit einem Rohrstock im Plenarsaal bewusstlos schlug.
Die letzte Rede eines Konföderierten hielt der Senator aus Mississippi und zukünftige Präsident der Konföderierten, Jefferson Davis, in seiner Abschiedsrede im Senat am 21. Januar 1861, wenige Tage nachdem sich South Carolina, Florida, Alabama und Mississippi von der Union losgesagt hatten. Er rief seine ehemaligen Mitsenatoren dazu auf, die Entscheidung Mississippis und der anderen Staaten friedlich zu akzeptieren, da ansonsten eine Katastrophe über jeden Teil der Vereinigten Staaten hereinbrechen würde.
Der Krieg hatte die Machtbalance zwischen Nord- und Südstaaten nachhaltig verändert. In der Zeit der Reconstruction und den folgenden Jahren hatten die Republikaner eine klare Übermacht. Ihnen gelang es, sich als Partei besser zu organisieren. Allerdings fiel in diese Zeit auch eine Hochzeit der Korruption in der amerikanischen Politik. Politische Maschinen wie Tammany Hall dominierten die Parteiorganisationen vieler Großstädte; Klientel- und Patronalismussysteme zogen sich durch das Land. Der Senat blieb auch davon nicht verschont, seine prinzipiell auf Offenheit und informelles Übereinkommen angelegte Geschäftsordnung machte ihn sogar besonders anfällig für die Probleme der damaligen Zeit.
Noch im Zeitalter der Reconstruction kam 1870 der erste afroamerikanische Senator in den Senat: Hiram Rhodes Revels vertrat mit Mississippi einen der Staaten des tiefen Südens. 1879 leitete mit dem zu Beginn des Bürgerkriegs aus der Sklaverei geflohenen Republikaner Blanche Bruce aus Mississippi erstmal ein Afroamerikaner die Sitzung des Senats. Nachdem die Südstaaten allerdings politisch wieder so souverän wie vor dem Krieg waren, dominierte über Jahrzehnte eine Weiße segregationistische Mehrheit die Politik dieser Staaten (Solid South), so dass dies Einzelfälle blieben. 1907 kam mit Charles Curtis aus Kansas der erste Indianer in den Senat.
An den politischen Programmen änderte sich in diesen Jahren wenig. Die Wahlen waren heftig umstritten, die Parteiprogramme blieben weitgehend identisch und in den Wahlkämpfen ging es hauptsächlich weiterhin um den Bürgerkrieg. Die Republikaner, die die Demokraten für den Ausbruch des Sezessionskriegs beschimpften, gewannen klare Mehrheiten in den Nordstaaten, während die Demokraten sich als Vertreter eines gedemütigten Südens inszenierten und so ebenso klar in den Südstaaten die Wahlen gewannen.
Die Zeit vor dem Bürgerkrieg hatte aufgezeigt, welche Bedeutung der Senat im politischen System innehaben konnte. Nachdem der Krieg vorbei war, begannen mehr Senatoren, diese Macht für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Die Senatoren wurden in dieser Zeit noch von den Staatslegislativen ernannt, so dass sich für einflussreiche und reiche Männer die Gelegenheit ergab, diese für ihre Zwecke zu missbrauchen und sich einen Senatssitz zu „erkaufen“. Zwischen 1866 und 1909 wurden neun Fälle vor dem Senat verhandelt, in denen Senatoren ihr Amt einer Bestechung verdankt haben sollten. In einigen Staaten war das politische Klima aber auch so vergiftet und die Mehrheitsverhältnisse so knapp, dass die Staaten gar nicht mehr in der Lage waren, einen Senator zu entsenden. Insgesamt kam es zu 45 Fällen in 20 Staaten, in denen Senatorenposten zeitweise nicht besetzt waren, da die Parlamente in den Bundesstaaten nicht fähig waren, sich zu einigen. Die Legislative von Delaware beispielsweise konnte sich ab 1899 vier Jahre lang nicht auf einen neuen Senator einigen. Berüchtigte Senatoren aus dem sogenannten Gilded Age sind Leland Stanford aus Kalifornien, James Graham Fair aus Nevada, John F. Dryden aus New Jersey oder Philetus Sawyer aus Wisconsin. Sie saßen in der Hochzeit der politischen Maschinerie im Amt und hatten so eine umfassende Kontrolle über ihre Partei und die Wähler.
Der Senat begann die Nachkriegszeit mit einer einschneidenden Änderung. 1867 etablierte er den Zuwendungsausschuss, um die Geldausgaben unter besserer Kontrolle zu halten. Vorher war es der Regierung und ihren Behörden oft möglich gewesen, Gelder an den Kontrollen vorbeizubekommen, indem sie in Zeiten hektischer Betriebsamkeit mit Problemen und damit langanhaltenden Debatten drohten und der Senat den Anträgen so zur Konfliktvermeidung und zur Beschleunigung des Ablaufs zustimmte. Die informelle Organisation führte zudem dazu, dass er kaum in der Lage war, eine ordnungsgemäße Verwendung der Gelder zu kontrollieren. Da sich mit dem Bürgerkrieg die Staatsaufgaben vervielfacht hatten, hatte der Senat den Eindruck, dass er eine striktere Kontrolle ausüben musste. Der Zuwendungsausschuss entwickelte sich bald zum Machtzentrum im Senat, da er die Verwendung der öffentlichen Gelder kontrollierte und so von ihm, und insbesondere vom Ausschussvorsitzenden, jeder abhängig war, der Geld vom Staat bekam oder bekommen wollte.
Aufgrund weiterer Aufnahmen von Bundesstaaten und damit einhergehend einer Vergrößerung des Gremiums begann die liberale Geschäftsordnung zum Problem zu werden. Senatoren setzten erstmals Filibuster ein, um die Arbeit des gesamten Senats massiv zu behindern; die Regeln boten ihnen ebenfalls viele Freiräume, die sie nutzen konnten, um ihre persönliche Agenda voranzubringen. Das Ausschusswesen hatte teils groteske Formen angenommen. Anfang des 20. Jahrhunderts besaß der Senat 66 ständige Ausschüsse und damit mehr als Mitglieder der Mehrheitspartei. Der reformgesinnte Politiker Robert M. La Follette erzählt, dass er 1906 zum Ausschussvorsitzenden des Ausschusses für den Zustand des Potomac-Flusses ernannt wurde, nur um festzustellen, dass dieser Ausschuss sich in seiner gesamten vieljährigen Existenz noch nie mit einem Gesetz beschäftigt hatte oder auch nur eine Sitzung abgehalten hatte.
Die Regeln, die auf starken Minderheitenschutz ausgelegt waren, gaben diesen Minderheiten auch reichhaltige Möglichkeiten an die Hand, eine Regeländerung zu ihren Ungunsten zu verhindern. Änderungen in der Geschäftsordnung erwiesen sich aber auch deshalb als außerordentlich schwierig, da Tatbestände wie das unbegrenzte Rederecht über die 100 Jahre vorher den Status einer fast geheiligten Institution angenommen hatten und kaum mehr geändert werden konnten.
Noch in das Zeitalter der Reconstruction fällt das erste Impeachment-Verfahren gegen einen Präsidenten. Andrew Johnson hatte sich mit der Republikanischen Partei zerstritten und gegen den 1867 erlassenen Tenure of Office Act den Kriegsminister Edwin M. Stanton entlassen, da seiner Meinung nach das entsprechende Gesetz gegen die Verfassung verstieß. Der Kongress klagte Johnson an, 1868 kam es zur Verhandlung im Senat, die Verurteilung Johnsons scheiterte letztlich an einer Stimme, der junge Republikaner Edmund G. Ross erkannte auf nicht schuldig.
Zwischen 1871 und 1898 stimmte der Senat nicht einem internationalen Vertrag zu. In dieser Zeit liefen mehrere internationale Handelsverträge aus, die er nicht verlängerte. Der Senat weigerte sich, eine Kompromisslösung mit dem Vereinigten Königreich zuzustimmen, zwang die Pläne über den Panamakanal zur Wiederverhandlung und weigerte sich zunächst beharrlich, dem Friedensvertrag zuzustimmen, der den Spanisch-Amerikanischen Krieg beendete.
Innenpolitisch setzte sich der Senat für die Interessen seiner Mitglieder und die der Personen mit hohem gesellschaftlichen Stand und gewichtigem Einkommen, die er dem Willen der Verfassungsväter nach vertreten sollte. Er verhinderte Reformgesetze von denen Arbeiter, Farmer oder Minderheiten hätten profitieren können. Die Arbeiterbewegung und unzufriedene Farmer begannen so sich in diversen anderen Parteien zu sammeln, die um die Jahrhundertwende eine Hochzeit erlebten. Der Journalist und Historiker Henry Adams ging so weit, die USA als „of the people, by the people, and for the Senate“ zu beschreiben.
Der Anfang des 20. Jahrhunderts brachte einige einschneidende Änderungen in den Senat, die schließlich im 17. Verfassungszusatz kulminierten. Um die Jahrhundertwende gelang es erstmals, eine Parteigruppierung so zu organisieren, dass sie dem, damals noch informellen Vorsitzenden, erhebliche Macht einbrachte. Der Republikaner Nelson W. Aldrich aus Rhode Island konnte eine Gruppe um sich versammeln, die es ihm erlaubte, die republikanische Fraktion zu kontrollieren. Auf Aldrich, den „Boss of America“, gingen Gesetze zurück, die das Finanzwesen der Vereinigten Staaten teilweise noch heute prägen, darunter alle wichtigen Steuer- und Zollgesetze der Zeit sowie die heutige Struktur des Federal-Reserve-Systems. Seit 1911–1913 wählten die Parteien offizielle Fraktionsvorsitzende, als Mehrheits- und Minderheitsführer bekannt. Da dem Amt des dieser Vorsitzenden aber keine formalen Kompetenzen zugewiesen wurde, kam es weiterhin vor allem auf die persönliche Autorität des Amtsinhabers an, ob diese Position eine Macht darstellte. Insbesondere in der Demokratischen Partei, die zwischen einem liberalen Nordstaatenflügel und einem konservativen Südstaatenflügel tief zerstritten war, konnte der Fraktionsvorsitzende kaum etwas bewegen.
Der erste Antrag, Senatoren direkt zu wählen, kam bereits 1826 ins Plenum, erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gewann diese Idee aber an Momentum. Zwischen 1893 und 1902 schlug jährlich jemand im Senat die Änderung vor, verlor aber die Abstimmung. Die Populist Party nahm den Punkt Mitte der 1890er in ihr Wahlprogramm auf. Seit dem späten 19. Jahrhundert wählten die Bürger in diversen Bundesstaaten die jeweiligen Parteikandidaten für den Senatorenposten direkt. Oregon, etwas später gefolgt von Nebraska, führte sogar gleichzeitig zur generellen Wahl eine Volksabstimmung über den Senator durch und verpflichtete die Legislative, sich an deren Ergebnis zu halten. Bis 1912 wählten die Bürger in der einen oder anderen Form ihre Senatoren in 29 der damals 48 Bundesstaaten. Der Zeitungsmagnat William Randolph Hearst griff die Idee auf und führte in seinen Publikationen eine vehemente Kampagne für eine offizielle Direktwahl durch.
Umgesetzt wurde die Forderung schließlich im 17. Zusatzartikel zur Verfassung. Eingebracht hatte ihn Senator Joseph L. Bristow aus Kansas; er passierte sowohl den Senat als auch das Repräsentantenhaus erst nach lang andauernden Debatten. Die Legislativen der Staaten hatten nun auch de jure keinerlei Einfluss mehr auf ihre Senatoren. Die direkte Wahl verschaffte den Senatoren eine größere Legitimität und machte sie abhängiger von der allgemeinen öffentlichen Meinung. Gleichzeitig stieg aber auch ihr finanzieller Bedarf, um Wahlkämpfe finanzieren zu können, so dass ihre Abhängigkeit von potenten Geldgebern ebenso stieg.
Das absolute Recht auf freie Rede wurde erst eingeschränkt, als 1917 eine Gruppe von 16 Senatoren gegen den Plan des Präsidenten und gegen überragende Senats- und Housemehrheiten den Beschluss blockierte, amerikanische Handelsschiffe zu bewaffnen. Während sich die Vereinigten Staaten gerade bereit machten, in den Ersten Weltkrieg einzutreten, hielten die Senatoren das Gesetz, und andere wichtige Gesetze, für 23 Tage auf. Auf Initiative des Präsidenten Woodrow Wilson, der früher über den Senat promoviert hatte, führte der Kongress die erste Regelung zum vorzeitigen Debattenschluss (cloture) ein, die aber relativ umständlich war und auch bei Erfolg noch nach dem Beschluss zur Ende der Debatte jene über mehrere Tage andauern lassen konnte: 16 Senatoren mussten einen Antrag auf Abstimmung zum Debattenende stellen. Zwei Tage danach kam es zu einer Abstimmung, bei der zwei Drittel der Senatoren dem Antrag zustimmen mussten. War dieses Ziel erreicht, hatte jeder Senator danach noch eine Stunde Rederecht zum Thema – die Debatte ließ sich also bei ausreichend großer Zahl der Filibuster noch mehrere Tage aufrechterhalten.
1920 begann der Senat auch sein Ausschusswesen zu reformieren und 42 der mittlerweile fast 80 Ausschüsse aufzulösen. Darunter befanden sich Ausschüsse wie der der für die Entsorgung unnütz gewordener Papiere der Exekutive oder der, der 137 Jahre nach Ende des Revolutionskrieges immer noch Ansprüche aus diesem klären sollte.
Mittlerweile war der Senat wieder eindeutig die prestigeträchtigere der beiden Kammern geworden; Karrieren verliefen nun generell über das Repräsentantenhaus in den Senat und nicht mehr in die andere Richtung. Das zeigte sich auch daran, dass 1920 mit Warren G. Harding der erste amtierende Senator eine Wahl zum Präsidenten gewann.
Der Senat machte von seinen Kompetenzen nun auch ausgiebig Gebrauch. Beispielsweise verhinderte er die Ratifikation des Vertrags von Versailles und somit den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Völkerbund. In den entscheidenden Jahren dieser Zeit aber arbeiteten Präsident Franklin D. Roosevelt und der demokratische Mehrheitsführer Alben W. Barkley aus Kentucky eng zusammen, so dass der Senat relativ problemlos die Politik des Präsidenten umsetzte. Erst 1944 zerstritten sich Roosevelt und Barkley über die Kriegsausgaben. Barkley trat zurück, der Streit kostete ihn wahrscheinlich seine Nominierung als Vizepräsident bei der Wahl 1944 und durch Roosevelts nachfolgenden Tod auch das Präsidentenamt.
Am 4. März 1929 erfolgte die erste Radioübertragung aus dem Senat. Der Republikaner Robert B. Howell aus Nebraska, der im Ersten Weltkrieg in der Navy gedient hatte und das Radio daher kannte, setzte den Entschluss nach mehrjährigen Kämpfen durch. Allerdings dauerte es noch 1971, bis der Senat eine Mikrofonanlage installierte, die die chronisch schlechte Akustik des Sitzungssaals radiogerecht ausgleichen konnte.
Langsam änderte sich auch die personelle Zusammensetzung. Nachdem Jeannette Rankin 1918 als erste Frau (erfolglos) Senatskandidatin einer der beiden großen Parteien war und Rebecca Latimer Felton am 21. November 1922 bereits kurz als Nachfolger des verstorbenen Thomas E. Watson ernannt worden war, gelang es der Demokratin Hattie Caraway aus Arkansas 1932 als erster Frau, die am 12. Januar 1932 abgehaltene Wahl zum Senat zu gewinnen. Ursprünglich war sie als Nachfolgerin ihres verstorbenen Ehemanns Thaddeus H. Caraway ernannt worden, trat aber zur Überraschung des Senats bei der nächsten regulären Wahl an. Sie gewann und war in der Folge dann auch die erste Frau, die – am 17. Oktober 1943 – eine Sitzung des Senats leitete und ebenfalls die erste Frau, die – von 1933 bis 1945 – den Vorsitz in einem Ausschuss übernahm. Bis eine Frau den Vorsitz in einem der wichtigen und anerkannten Ausschüsse übernehmen sollte, dauerte es aber noch bis zu Nancy Landon Kassebaum 1995.
Der Aufstieg des Senats zur Kammer mit dem größeren Prestige setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg fort. Dafür war zum einen verantwortlich, dass die Vereinigten Staaten nun zur Weltmacht geworden war und die exklusiven Rechte des Senats sich auch auf die damit wesentlich wichtiger werdende Außenpolitik erstreckten. Und erst seit 1947 haben einzelne Senatoren und die Ausschüsse bezahlte Angestellte, was die Professionalität und Effektivität des Gremiums maßgeblich erhöhte. Seit den 1950ern erlaubte der Senat erstmals Fernsehkameras in Ausschusssitzungen.
Gefördert wurde der Prestigeanstieg durch die Verbreitung des Fernsehens. Das Fernsehen benötigt Personen, die es mit Geschichten und Themen verknüpfen konnte, und die 100er-Mitgliedschaft des Senats eignete sich eher dazu, eine Fernsehpersönlichkeit mit Wiedererkennungswert zu schaffen, als die 435 Mitglieder des Repräsentantenhauses. Zudem sorgte die wesentlich längere Amtszeit eines Senators (6 Jahre gegenüber 2 Jahren im Repräsentantenhaus) auch dafür, dass diese den Fernsehschaffenden eher eine personengebundene Kontinuität versprachen. Geld begann auch eine immer größere Rolle zu spielen, so dass es für die Kongressabgeordneten selbst bei vorhandenem eigenem Reichtum meist unmöglich wurde, einen Wahlkampf zu finanzieren. Die Spender wiederum haben oft den Eindruck, dass ihnen der Einfluss auf einen von Hundert Abgeordneten mehr hilft als der auf einen von 435, so dass sie eher für Senatoren spenden und diese damit finanziell besser ausgestattet sind als Repräsentanten.
In die Nachkriegszeit fällt der Kreuzzug des 1950 in den Senat gewählten Republikaners Joseph McCarthy aus Wisconsin; in seinen antikommunistisch motivierten Aktionen einer der umstrittensten, zu seiner Zeit prominentesten Senatoren. Es gelang ihm, sich den Vorsitz im Untersuchungsausschuss des Senats zu sichern, und diesen – durch Ernennung von Mitarbeitern ohne andere Senatoren zu befragen und häufige Sitzungstermine außerhalb von Washington mit kurzer Vorlaufzeit – unter seine Kontrolle zu bringen. McCarthy nutzte das im Senat neue Medium des Fernsehens, um seine nationale Bekanntheit zu steigern. Erst eine offizielle Rüge durch den Senat beendete seinen Einfluss. In den Worten des Demokraten Robert Byrd – Senator mit der längsten Amtszeit in der Geschichte des Gremiums und anerkannter Historiker des Gremiums – war dies die schmerzhafteste Periode in der Senatsgeschichte.
Einen weiteren Höhepunkt intensiver Senatsdebatten und eine Fortsetzung der Konflikte zwischen Nord- und Südstaaten bildeten die Debatten um die Bürgerrechtsgesetze in den 1950er und 1960er-Jahren. In dieser Zeit hielt Strom Thurmond mit über 24 Stunden die längste Filibusterrede der Senatsgeschichte, um zu verhindern, dass der Senat den Civil Rights Act von 1958 verabschiedete. Der gesamte Filibuster gegen ein anderes Bürgerrechtsgesetz, den Civil Rights Act von 1964, dauerte 57 Tage vom 26. März bis zur 14-stündigen Rede von Robert Byrd am 19. Juni 1964, in denen der Senat keine anderen Beschlüsse fassen konnte. Der Filibuster wurde durch den zweiten Cloture-Beschluss seit 1927 beendet; das Thema war so umstritten, dass selbst der mit einem Gehirntumor im Sterben liegende Clair Engle aus Kalifornien an der Sitzung teilnahm und für Debattenschluss stimmte.
1972 führte das United States Senate Watergate Committee maßgebliche Untersuchungen in der Watergate-Affäre durch, die schließlich zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon führten, um seiner Amtsenthebung zuvorzukommen.
1974 wurde mit dem Congressional Budget and Impoundment Control Act das Reconciliation-Verfahren eingeführt. Danach gilt für bestimmte Gesetzentwürfe ein Redezeitlimit, Filibuster sind hier unmöglich.
1975 sah man wiederum Änderungen in den internen Prozeduren. Das Quorum um einen Filibuster beenden zu können, sank auf Dreifünftel, also 60 Senatoren. Die Redezeit nach einem Cloture-Beschluss wurde auf insgesamt 30 Stunden begrenzt, wobei eine weitere Abstimmung mit Dreifünftelmehrheit auch diese Rest-Redezeit beenden kann. Nachdem die Plenardebatten bereits seit 1795 öffentlich waren, sind es seit 1976 auch alle Ausschusssitzungen. Infolge der Stevenson-Kommission (benannt nach Senator Adlai Stevenson) reduzierte der Senat die Zahl der nichtständigen und gemeinsamen Ausschüsse mit dem Repräsentantenhaus erheblich.
1974 standen das erste mal Fernsehkameras im Senatsplenum, die ein Ereignis live übertrugen: die Inauguration des damaligen Vizepräsidenten Nelson A. Rockefeller. Seit dem 27. Februar 1986 überträgt das Parlamentsfernsehen C-SPAN regelmäßig die Plenardebatten live. Der erste klassische Filibuster, den das Fernsehen übertrug, hielt Al D’Amato aus New York, um zu verhindern, dass eine Schreibmaschinenfabrik mit 875 Angestellten aus New York nach Mexiko umzog. D’Amato redete – und sang – durchgehend 15 Stunden.
Massiv ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückte der Senat, als er das Impeachment-Verfahren gegen Bill Clinton verhandelte. Dies war das erste bedeutende Impeachment-Verfahren, das größtenteils live im Fernsehen lief und zahlreiche Debatten über die Rechte und Pflichten des Senats in einer derartigen Situation auslöste.
Der längsten Filibuster des Fernsehzeitalters hielten im November 2003 mit fast 40 Stunden diverse Demokraten, als sie die Bestellung von drei Richterinnen an Appellationsgerichten (Federal Court of Appeals) durch Präsident George W. Bush verhinderten. 2005 beschlossen die demokratischen Senatoren nach erneuter Nominierung dieser Kandidaten, sich zumindest zwei der fünf Kandidaturen durch ein Filibuster zu widersetzen.
Während der Senat in der Vergangenheit oft über mehrere Jahrzehnte von einer Partei dominiert wurde, änderte sich dies in den letzten Jahren. Besonders auffallend war es nach den Wahlen 2000. Als sich der Senat am 5. Januar zur ersten Sitzung traf, saßen 50 Demokraten 50 Republikanern gegenüber, die Stimme des demokratischen Vizepräsidenten Al Gore gab den Ausschlag für eine demokratische Mehrheit. Diese hielt allerdings nur, bis 15 Tage später George W. Bush sein Amt als Präsident und damit der Republikaner Dick Cheney das Amt als Vizepräsident antrat, was die Mehrheitsverhältnisse umkehrte. Im Juni desselben Jahres verließ Jim Jeffords aus Vermont seine Republikaner und gab damit wieder den Demokraten die Mehrheit. Erst bei den Kongresswahlen 2002 und 2004 konnten die Republikaner schließlich eine stabile Mehrheit erkämpfen, die sie wiederum bei den Senatswahlen 2006 einbüßten.

Basfia succiniciproducens

Basfia succiniciproducens ist ein in der Gram-Färbung negatives, fakultativ anaerobes und unbewegliches Bakterium aus der Familie der Pasteurellaceae. Es wurde 2008 erstmals aus dem Pansen des Holstein-Rinds isoliert und 2009 wissenschaftlich beschrieben. Aufgrund seiner Fähigkeit, durch Gärung vergleichsweise große Mengen Bernsteinsäure zu produzieren, ist es für die industrielle Biotechnologie von potenzieller Bedeutung.

Das Bakterium ist kokken- bis stäbchenförmig und besitzt wie alle Pasteurellaceae keine Geißel, wodurch es sich nicht aktiv fortbewegen kann. Das Bakterium ist gramnegativ, besitzt also nur eine dünne, einschichtige Mureinhülle, die keine Teichonsäuren enthält. Angaben über Einzelzellgrößen sind wissenschaftlich nicht dokumentiert, Kolonien erreichen nach 24 Stunden Wachstum einen Durchmesser von 0,1 bis 0,5 Millimeter und sind durchscheinend grau gefärbt.
Basfia succiniciproducens wurde, wie die Mehrzahl der Proteobakterien, allein über physiologische bzw. biochemische Merkmale charakterisiert, während sie eidonomisch keine Besonderheiten gegenüber anderen Arten und Gattungen der Pasteurellaceae aufweist. Die Erstbeschreibung erfüllt damit die für eine Charakterisierung einer neuen Art und Gattung innerhalb der Pasteurellaceae geltenden Mindeststandards, darüber hinausgehende anatomische Beschreibungen existieren nicht.
Alle bekannten Stämme produzieren anaeroben signifikante Mengen Bernsteinsäure, Essigsäure und Ameisensäure als Stoffwechselprodukt bei der Gärung. Dabei können sie (anders als viele andere Gattungen der Pasteurellaceae) neben Glucose und Glycerin auch D-Mannitol, D-Mannose, D-Galaktose, D-Trehalose, Saccharose und D-Xylose umsetzen. Im Indol-Test reagiert das Bakterium negativ, wodurch ein Nachweis des Enzyms Tryptophanase zur Umsetzung von Tryptophan zu Indol nicht besteht. Auch der Nachweis von Urease zur Spaltung von Harnstoff und der Katalase zum Abbau von Wasserstoffperoxid verläuft negativ. Der Oxidase-Test zum Nachweis des Enzyms Cytochrom c Oxidase in der Atmungskette verläuft dagegen positiv, ebenso der Nachweis der Produktion organischer Säuren durch Methylrot.
Der erste Stamm (DD1, benannt nach Dirk Dägele) von Basfia succiniciproducens wurde von Edzard Scholten von der BASF und Dirk Dägele von Vetter Pharma aus dem Pansen des Holstein-Rindes isoliert und auf die Fähigkeit der Bernsteinsäureproduktion untersucht. Die Isolierung des Bakteriums erfolgte während eines Screenings nach potenziell für die biotechnologische Herstellung von Bernsteinsäure interessanten Bakterien aus dem Pansen des Hausrindes. Dabei wurde gezielt nach Bakterien mit einer maximalen Übereinstimmung mit dem Bakterienstamm MBEL55E (Mannheimia succiniciproducens) gesucht, von dem diese Eigenschaft bereits bekannt war. MBEL55E war 2002 erstmals isoliert, vorgestellt und patentiert worden, ist jedoch bislang nach Angaben von Kuhnert et al. 2009 nicht valide beschrieben.
Für die Erstbeschreibung von Basfia succiniciproducens wurden in der Schweiz von Peter Kuhnert weitere Stämme aus verschiedenen Individuen unterschiedlicher Hausrindrassen isoliert. Dabei handelte es sich um den Typstamm JF4016T (=DSM 22022T =CCUG 57335T) und JF4141 aus dem Simmentaler Fleckvieh, den Stamm JF4136 aus dem Piemonteser Rind, die Stämme JF4134 und JF4142 aus dem Rotbunten Niederungsrind sowie die Stämme JF4213 bis JF4220 aus dem Limousinrind.
Basfia succiniciproducens ist ein Bestandteil der Bakterienzusammensetzung im Pansen des Hausrinds (Pansenflora), wobei es bislang im Pansen vom Holstein-Rind, dem Simmentaler Fleckvieh, dem Piemonteser Rind, dem Rotbunten Niederungsrind sowie dem Limousin-Rind nachgewiesen wurde.
Das Bakterium ist fakultativ anaerob und bezieht seine Nahrungsgrundlage aus dem Nahrungsbrei des Kuhmagens: Von der Pansenflora, vor allem den enthaltenen Pilzen, werden die β-glykosidischen Bindungen der Cellulose der Nahrung aufgebrochen. Der so entstehende Traubenzucker (Glucose) dient den Mikroorganismen und damit auch B. succiniciproducens als Substrat, die Produkte des Bakterienstoffwechsels sind in seinem Fall kurzkettige Carbonsäuren, vor allem Bernsteinsäure. Neben der Glucose enthält der Nahrungsbrei zudem Stickstoff, der durch die im Futter enthaltenen Proteine und anderen Stickstoffquellen (Nicht-Protein-Stickstoff, NPN) vorhanden ist. Proteine werden durch die Mikroorganismen im Pansen weitgehend zu Peptiden, Aminosäuren oder Ammoniak gespalten. Diese dienen den Mikroorganismen anschließend als Stickstoffquelle. Die bakteriell produzierte Bernsteinsäure dient wiederum als Energiequelle für weitere Bakterien, die sie zu Propionsäure umsetzen.
B. succiniciproducens produziert weder für das Rind noch für andere Organismen toxische Stoffwechselprodukte und ist auch nicht (opportunistisch) pathogen, entsprechend wird es als normaler Bestandteil der Pansenflora angesehen. Der negative Toxizitätstest führt zu einer Einordnung als nichtgefährlicher Organismus, wodurch das Bakterium technisch uneingeschränkt eingesetzt werden kann.
Die Bakteriengattung wurde von ihren Erstbeschreibern nach der BASF SE als Basfia benannt. Begründet wurde diese Namensgebung dadurch, dass der erste isolierte Bakterienstamm aus den Labors der BASF in Ludwigshafen am Rhein stammte.
Die Artbezeichnung succiniciproducens leitet sich von der Fähigkeit ab, Bernsteinsäure (latein: acidum succinicum) zu produzieren, übersetzt heißt sie entsprechend „Bernsteinsäure produzierend“.
Aggregatibacter actinomycetemcomitans
Basfia succiniciproducens (incl. Mannheimia succiniciproducens)
Haemophilus influenzae
[Actinobacillus] porcinus
Lonepinella koalarum
Pateurella canis
Pasteurella multocida
Lonepinella koalarum
Histophilus somni
Avibacterium gallinarum
Die bei der Isolierung des Bakteriums durchgeführte erste Einordnung in die Pasteurellaceae wurde durch die Erstbeschreibung 2009 bestätigt, als Typusstamm wurde JF4016T definiert. Diese Familie besteht derzeit (2009) aus 13 anerkannten Gattungen mit etwa 60 valide beschriebenen Arten, die vornehmlich aus verschiedenen Wirbeltieren isoliert wurden und dort zur typischen Schleimhautflora gehören; einige Arten sind fakultativ krankheitserregend (opportunistisch pathogen). Neben B. succiniciproducens stammen auch die Arten Mannheimia ruminalis, Actinobacillus lignieresii, [Actinobacillus] succinogenes und Mannheimia succiniproducens aus dem Pansen des Hausrindes, die beiden letzten sind zudem ebenfalls Bernsteinsäureproduzenten.
Basfia succiniciproducens wurde über den Sequenzvergleich in Form einer sogenannten Multi locus sequence analysis (MLSA) der 16S rRNA sowie der Gene rpoB (codiert den β-Abschnitt der RNA-Polymerase), infB (codiert für den Initialfaktor 2 der Translation) und recN (codiert für ein DNA-Reparatur-Protein) innerhalb der Pasteurellaceae eingeordnet. Die Auswahl der Gene erfolgte über bereits im Vorfeld durchgeführte Untersuchungen zur Phylogenie der Pasteurellaceae. Es konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass sämtliche bekannten Stämme von Basfia eine Klade und entsprechend eine monophyletische Gruppe bilden, die auch den als Mannheimia succiniciproducens benannten Stamm MBEL55E einschließt. Die größte Übereinstimmung der Gensequenz ergab sich mit Aggregatibacter actinomycetemcomitans, das entsprechend als Schwesterart angesehen wird; aufgrund des vergleichsweise großen genetischen Abstands beider Arten zueinander mit einer maximalen Übereinstimmung von 95 % sowie der phänotypischen Unterschiede wurde für B. succiniciprocens eine eigene Gattung Basfia aufgestellt. Weitere Arten der näheren Verwandtschaft sind Haemophilus influenzae, Lonepinella koalarum und das [Actinobacillus] porcinus.
Aufgrund seiner Fähigkeit, in anaerobem Milieu durch Vergärung Bernsteinsäure zu produzieren, ist B. succiniciproducens wie andere Bakterien von großem technischen Interesse und wird vor allem im Labor der BASF intensiv auf seine Nutzbarkeit untersucht. Eine technische Nutzung des Bakteriums wird derzeit von der BASF in Zusammenarbeit mit dem Institut für Bioverfahrenstechnik der Technischen Universität Braunschweig, wobei der Stoffwechsel des Bakteriums untersucht und mit Hilfe von Metabolic Engineering zur Entwicklung von Produktionsorganismen genutzt werden soll.
Bernsteinsäure stellt eine Plattformchemikalie mit einem jährlichen Bedarf von derzeit etwa 15.000 Tonnen und einem Marktwert von sechs bis neun Euro pro Kilogramm dar. Sie wird konventionell auf der Basis von n-Butan und Butadien mit Maleinsäureanhydrid als Zwischenstufe hergestellt. Vor allem als Basis für verschiedene Produkte der chemischen und pharmazeutischen Industrie (1,4-Butandiol, Tetrahydrofuran u. a.) sowie für biobasierte Kunststoffe wie Polyamide (PA), Polyester und Co-Polyester sowie Polyesteramide ist Bernsteinsäure als biotechnologisch hergestelltes Produkt interessant und es wird ein Marktpotenzial von mehreren hunderttausend Tonnen prognostiziert. Gemeinsam mit weiteren Vertretern der C4-Dicarbonsäuren wie der Fumar- und Äpfelsäure wurde Bernsteinsäure entsprechend durch das Department of Energy der USA im Jahr 2004 als eine von zwölf Plattformchemikalien mit besonderem biotechnologischen Herstellungspotenzial identifiziert.
Neben B. succiniciproducens werden entsprechend auch eine Reihe weiterer potenzieller Bernsteinsäureproduzenten untersucht, darunter vor allem Mannheimia succiniciproducens, Actinobacillus succinogenes, Corynebacterium glutamicum sowie Anaerobiospirillum succiniciproducens, aber auch der Modellorganismus Escherichia coli, der über Metabolic Engineering für die Produktion von hohen Mengen Bernsteinsäure optimiert werden soll.
B. succiniciproducens lässt sich biotechnologisch sowohl auf dem klassischen Fermentationsmedium Glucose (Zuckerdicksaft, Stärke) wie auch auf Glycerin kultivieren. Glycerin fällt als Rohglycerin bei der Herstellung von Rapsmethylester (Biodiesel) in großen Mengen an (etwa 1:10 der Biodieselmenge) und steht daher als preisgünstiger Rohstoff zur Koppelnutzung zur Verfügung.
Scholten & Dägele konnten 2008 mit dem neu isolierten und zu dem Zeitpunkt noch nicht beschriebenem Bakterium Ausbeuten von bis zu 5,8 g/l Bernsteinsäure auf der Basis von D-Glucose und Saccharose erzielen, wobei die Produktivität bei bis zu 1,5 g/l·h und die Ausbeute bei maximal 0,6 Gramm Bernsteinsäure pro Gramm Substrat lag. Bei Rohglycerin erreichten sie Ausbeuten von 8,4 g/l, 0,9 g/l·h und 1,2 g/g Substrat. Im Vergleich mit anderen Bakterien, insbesondere Actinobacillus succinogenes, Anaerobiospirillum succiniciproducens sowie modifizierten Escherichia coli ist die maximale Ausbeute pro Liter vergleichsweise gering, die Ausbeute bezogen auf den Substrateinsatz sowie die Produktivität sind jedoch vergleichbar und durch Optimierung der Stämme auch noch optimierbar. Besonders gute Eigenschaften zeigen die Bakterien auf der Basis von Rohglycerin als Substrat, für das erste Ansätze zur kontinuierlichen Kultivierung in der Entwicklung sind.

Irmtrud Wojak

Irmtrud Wojak (* 1963) ist eine deutsche Historikerin. Sie war von Ende März 2009 bis November 2011 Gründungsdirektorin des NS-Dokumentationszentrums München.

Wojak studierte Geschichte, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Sie promovierte mit einer Arbeit zur deutschen jüdischen und politischen Emigration während der NS-Zeit nach Lateinamerika ebenfalls in Bochum. Anschließend absolvierte sie mehrere Forschungsaufenthalte unter anderem an der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und am United States Holocaust Memorial Museum in Washington. Anschließend war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Leiterin des Fritz-Bauer-Instituts in Frankfurt am Main.
In Frankfurt erstellte sie die Ausstellung „Auschwitz-Prozess. 4 Ks 2/63. Frankfurt am Main“ und habilitierte sich mit einer Biografie über Fritz Bauer. Daraufhin war sie Leiterin des Bereiches Forschung und Mitglied der Geschäftsleitung beim International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen.
Ihre Forschungsschwerpunkte sind die
Wojak war im Jahr 2009 zur Gründungsdirektorin des geplanten NS-Dokumentationszentrums in München berufen worden. Nach Medienberichten kam es im Mai 2011 unter anderem um den Namen des geplanten Zentrums zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Münchener Stadträten, dem Kuratorium des Zentrums und Wojak. Wojak sprach sich gegen einen Namen aus, der das Kürzel „NS“ enthalte. Das Kuratorium des geplanten Zentrums und mehrere Zeitzeugen hätten sich ähnlich geäußert. Das Zentrum war von der Stadt München von Beginn an unter dem Arbeitsnamen „NS-Dokumentationszentrum“ geplant worden. Der Münchener Stadtrat Marian Offman betonte, dass nicht alle Zeitzeugen sich gegen das Kürzel ausgesprochen hätten. Wojak soll daraufhin Offman indirekt vorgeworfen haben, Zeitzeugen gegeneinander auszuspielen. Der Oberbürgermeister Christian Ude kündigte im April 2011 aufgrund dessen disziplinarische Schritte an, der Stadtrat Marian Offman, zugleich Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde Münchens, forderte eine Entschuldigung von Wojak. Wojak sah darin auch eine parteipolitische Auseinandersetzung.
Ende Oktober 2011 wurde Wojak von ihren Aufgaben als Direktorin des NS-Dokumentationszentrums entbunden, weil sie kein schlüssiges Konzept für die Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum vorgelegt habe. Zudem wurde ihr Kommunikationsstil kritisiert. Auch habe sie nicht mit ihrem Team zusammengearbeitet. Wojak betonte dagegen zunächst, dass sie gar keine Gelegenheit gehabt habe, ihr Konzept zu erläutern, da es am 7. Oktober aufgrund einer Erkrankung ohne sie vorgestellt worden sei. Mitte November kam es schließlich zu einer Einigung und einer gemeinsamen Pressemitteilung von Wojak und der Stadt München, in der von „nachhaltig unterschiedlichen Auffassungen“ zwischen Wojak und den beratenden Gremien über die „Ausrichtung, die Inhalte und die Funktion“ des geplanten Zentrums die Rede war, aufgrund derer eine Trennung erfolgt sei.

Benjamin Alan Lucien Clare

Benjamin Alan Lucien Clare (* 15. Januar 1938 in Rock Spring, Green Island Hanover Parish; † 17. Dezember 2010 im Cornwall Regional Hospital in Montego Bay) war ein jamaikanischer Diplomat.
Benjamin Alan Lucien Clare war der Sohn von Millicent Blair und Arthur Nigel Clare. Am 27. Dezember 1965 heiratete er Evangeline Marie Davis; sie hatten eine Tochter und zwei Söhne. Er besuchte die Primary School in Savanna-la-Mar und das Jamaica College. Er wurde Mitglied von Middle Temple, studierte Rechtswissenschaft an der University of Law in London und übte den Beruf des Rechtsanwaltes aus. Er saß für den Wahlkreis Hanover Parish als stellvertretender Vorsitzender im Oberhaus des Repräsentantenhauses (Deputy President of the Senate of Jamaica).
Von 1975 bis 1977 war er Botschafter in Havanna und war zeitgleich in Paramaribo Surinam und Lima akkreditiert.
Von 1977 bis 1979 war er Botschafter in Moskau und war zeitgleich in Bukarest und Warschau (19. Februar 1979) akkreditiert.
Von 1989 bis 1995 war er beamteter Staatssekretär im Außenministerium.

Andreasgebet

Das Andreasgebet ist ein vor allem in Österreich bekannter volkstümlicher Brauch.
Bei einem Andreasgebet handelt es sich um ein Gebet, oder besser um eine Art „Heiratsorakel“ das in der Andreasnacht, d.h. der Nacht zum 30. November, dem Todestag des hl. Andreas († um 60), gesprochen wird. Derselbe Brauch findet sich mancherorts auch in Bezug auf die Thomasnacht, d.h. die Nacht des 21. Dezember.
Ursprünglich lassen sich diese Gebräuche auf Freyr beziehen, den altgermanischen Gott der Liebe und der Ehe. Der Volksglaube besagt, dass sich einer Jungfrau, die dieses Gebet spricht, ihr zukünftiger Geliebter offenbaren wird, zum Beispiel durch Blick in ein Feuer oder einen Spiegel. Das Andreasgebet ist von allerlei Brauchtum begleitet, wie dem Essen von Semmeln in drei Bissen, dem Decken eines Tisches für den fiktiven Zukünftigen, dem Sammeln von bestimmten Zweigen und den Umzügen von Kindern von Haus zu Haus. In manchen Orten hoffen in der Nacht vor dem Andreastag Mädchen von ihrem zukünftigen Mann zu träumen, jedoch ohne zu fasten, wie vor dem Agnestag, sondern, indem sie zuvor Wein trinken und Gebete in völliger Nacktheit verrichten und dabei einen Strohsack (als Symbol für das Hochzeitslager) treten oder mit einem neuen Besen ihre Kammer kehren und dabei zum Beispiel folgenden Text aufsagen:
Heiliger Andreas, ich bitt‘ dich, Bettstatt, ich tritt dich, lass mir erscheinen den Herzallerliebsten mein!
Eine etwas längere Version ist folgende:
Andreas, heiliger Schutzpatron, gib mir doch nur einen Mann,
und lass mich im Bild ihn sehn, ob er hässlich oder schön,
ob er geistlich oder weltlich, ob er jung ist oder ältlich,
ob’s ein Junker, stolz und frei, ob er arm, doch fromm dabei.
St. Andreas zeig‘ mir’s an, ob und was ich hoffen kann.
St. Andreas, ich bitte Dich! Denk doch dieses Jahr an mich!
Der Text des Andreasgebets hat aber oft auch einen leicht zotenhaften Unterton, wie in diesem Beispiel:
Andresgen, Mann, Bescherer, Du treuer Jungfern Lehrer, hier steh ich splitternackt! Wann wird die Stunde kommen, daß einer mich genommen, und mein Brautbett knackt?

Andries van Eertvelt

Andries van Eertvelt (getauft 25. März 1590 in Antwerpen; † August 1652 ebenda) war ein flämischer Maler.

Andries van Eertvelt gilt als einer der bedeutendsten flämischen Marinemaler seiner Zeit. Über seine Ausbildung ist nichts bekannt. Spätestens gegen 1609/10 ist er als freier Meister tätig und wird etwa ein Jahrzehnt lang als gefragter Lehrmeister erwähnt. Gegen Ende der 20er Jahre des 17. Jahrhunderts wird, ausgehend von seinen Bildmotiven, ein längerer Studienaufenthalt in Genua und Neapel vermutet. Ab dem März 1631 ist er wieder in Antwerpen dokumentiert. Belegt ist sein gutes Verhältnis zu anderen flämischen Malern seiner Zeit. Von Anthonis van Dyck wurde er porträtiert.
Obwohl van Eertvelt keine neuen Wege beschritt, war er ein solider Meister seines Fachs. Seine Stärke war die Darstellung bewegter und stürmischer See in Verbindung mit detailreich gemalten Schiffen. Er gehörte zu den wenigen flämischen Malern, die sich in diesem Genre versuchten und damit erfolgreich waren.
Von seinem Namen gibt es zahlreiche Varianten: Andries van Ertvelt, Andries van Artvelt, Andries van Aertvelt, Andries van Artevelde, Andries van Artevelt. Die bevorzugte Schreibweise beim Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie lautet Andries van Eertvelt.
AKL V, 1992, 345 s ; ThB II, 1908, 166 ; ThB X, 1914, 360 s

DNL 2012/13

Die Saison 2012/13 ist die 13. Spielzeit seit Gründung der Deutschen Nachwuchsliga, der höchsten Nachwuchsliga im deutschen Eishockey.

Die zehn teilnehmenden Mannschaften spielen eine Doppelrunde (36 Spiele). Nach dieser Hauptrunde spielen die besten acht Mannschaften in Play-offs den Meister der Deutschen Nachwuchsliga aus. Das Playoff-Viertelfinale wird im Best-of-Five-Modus ausgetragen, das Halbfinale und das Finale im Best-of-Three-Modus.
Für einen Sieg nach der regulären Spielzeit wurden einer Mannschaft drei Punkte gutgeschrieben, war die Partie nach 60 Minuten unentschieden, erhielten beide Teams einen Punkt, dem Sieger der fünfminütigen Verlängerung (nur mit vier gegen vier Feldspielern) beziehungsweise nach einem nötigen Penaltyschießen wurde ein weiterer Punkt gutgeschrieben. Verlor eine Mannschaft in der regulären Spielzeit, erhielt sie keine Punkte.
Abkürzungen: Sp. = Spiele, S = Siege, OTS = Siege nach Verlängerung, PSS = Siege nach Penaltyschießen, OTN = Niederlagen nach Verlängerung, PSN = Niederlagen nach Penaltyschießen, N = Niederlagen, Pkt = Gesamtpunkte, T = Tore, GT = Gegentore, Str. = Strafminuten, M = Meister, N = Neuling (Aufsteiger).
Die acht erstplatzierten spielen in drei Runden und im Modus Best-of-Seven den Sieger aus.
Enden Spiele nach der regulären Spielzeit von 3 x 20 Min. unentschieden, erfolgt eine Verlängerung von 20 Minuten mit vier gegen vier Feldspielern, jedoch nur solange, bis ein Tor erzielt wird. Die das Tor erzielende Mannschaft ist mit dem entsprechenden Ergebnis Sieger. Wird in der Verlängerung kein Tor erzielt, erfolgt unverzüglich und ohne Seitenwechsel ein Penaltyschießen, mit Ausnahme des letzten Spiels einer Play-off-Serie, welches so lange um jeweils 20 Minuten verlängert wird, bis ein Tor erzielt wird. Bei allen Spielen wird vor Beginn des Penaltyschießens die Eisfläche „trocken abgezogen“.
Im Halbfinale tritt der verbleibende Beste der Hauptrunde gegen den verbleibenden Schlechtplatziertesten der Hauptrunde und der verbleibende Zweitbeste gegen den verbleibenden Zweitschlechtesten der Hauptrunde an.
2000/01 | 2001/02 | 2002/03 | 2003/04 | 2004/05 | 2005/06 | 2006/07 | 2007/08 | 2008/09 | 2009/10 | 2010/11 | 2011/12 | 2012/13 | 2013/14 | 2014/15 | 2015/16 | 2016/17

Carl Wilhelm Louis Preuß

Carl Wilhelm Louis Preuß (* 12. Januar 1827 in Matzdorf (Matuszowice), Landkreis Crossen/Niederlausitz; † 25. Juli 1878 in Hamburg), war der erste amtierende Apostel der allgemeinen christlichen apostolischen Mission, aus der später die Neuapostolische Kirche hervorging.
Er wuchs nach dem frühen Tod seiner Eltern bei seinen Großeltern in Linum bei Fehrbellin (Brandenburg) auf, wurde in der lutherischen Kirche konfirmiert und erlernte anschließend das Tischlerhandwerk. Als Geselle begab er sich auf Wanderschaft und lernte in Berlin die Katholisch-apostolischen Gemeinden kennen. Um das Jahr 1850 dürfte er von Apostel Thomas Carlyle versiegelt worden sein. Am 14. Juni 1855 wurde er, ebenfalls durch Apostel Carlyle, in Berlin zum Priester ordiniert.
Ein Jahr später gab er seine Arbeit in Rathenow auf und wurde von Bischof Carl Rothe nach Hamburg gesandt. Dort sollte er die katholisch-apostolische Gemeinde leitend betreuen. Der Staat hatte über sie ein Versammlungsverbot verhängt und ihre Amtsträger aus der Stadt verwiesen. Da Priester Preuß als arbeitssuchender Tischlergeselle, und nicht als Geistlicher, nach Hamburg kam, wurden ihm private religiöse Zusammenkünfte gestattet. Seinen Beruf übte er bis 1866 aus. Im Jahr 1860 heiratete er Anna Maria Todtmann, eine Glaubensschwester aus seiner Gemeinde.
Die Gemeinde Hamburg entwickelte sich so gut, dass Bischof Rothe 1858 den Ältesten Friedrich Wilhelm Schwarz als Verstärkung nach Hamburg sandte.
Die katholisch-apostolischen Gemeinden waren in den 1830er Jahren in England entstanden. Durch „Weissagungen aus dem Heiligen Geist“ waren 12 Apostel berufen worden, die nun versuchten, die Christenheit unter der Leitung dieser Apostel zu vereinen. Da sie bei der Geistlichkeit der anderen christlichen Kirchen keine Zustimmung fanden entstand eine neue Kirche. 1855 starben die Apostel Mackenzie, Carlyle und Dow. Bemühungen, besonders durch den deutschen Propheten Heinrich Geyer, die verstorbenen Apostel zu ersetzen wurden von den verbliebenen Aposteln abgelehnt.
Am 10. Oktober 1862, inzwischen lebten nur noch 6 der 12 englischen Apostel, berief der Prophet Geyer in Königsberg (Ostpreußen) den Ältesten Rudolf Rosochacki zum Apostel. Diese Neurufung wurde von der Hamburger Gemeinde freudig aufgenommen. Apostel Francis Valentine Woodhouse schloss daraufhin die Gemeinde Hamburg und ihre Amtsträger, einschließlich Bischof Schwarz, Prophet Geyer und Priester Preuß, aus der katholisch-apostolischen Kirche aus. Apostel Rosochacki trat nach Vorhaltungen von Bischof Rothe und seiner eigenen Ehefrau von seinem Amt als Apostel zurück und verblieb in der katholisch-apostolischen Gemeinde. Nun stand die ausgeschlossene Hamburger Gemeinde ohne Apostel da, versammelte sich aber weiterhin zu Gebeten und Gottesdiensten.
Am 12. April 1863 wurde der Priester Louis Preuß durch Weissagung eines Diakons zum Apostel berufen. Der abwesende Prophet Geyer bestätigte diese Rufung später als aus dem Geist Gottes kommend. Auch Bischof Schwarz stellte sich unter seinen neuen Apostel, bis dieser kurze Zeit später selbst zum Apostel berufen wurde. Damit war neben den katholisch-apostolischen Gemeinden ein neuer apostolischer Zweig („neue Ordnung“) entstanden, der sich Allgemeine christliche apostolische Mission nannte.
Unter großen Mühen folgte Apostel Preuß seiner Berufung und arbeitete am inneren und äußeren Auf- und Ausbau der neuen apostolischen Gemeinden. Er musste Anfeindungen und Verfolgungen ertragen und wurde auf Grund der nicht überall gegebenen Religionsfreiheit mehrere Male verhaftet.
Im Jahr 1864 entstand eine Tochtergemeinde Hamburgs in Schladen (Harz). Am 25. Juli führte Apostel Preuß in einem nahe gelegenen Waldstück, das bereits zum religionsfreien Königreich Preußen gehörte, die erste Versiegelung der „neuen Ordnung“ außerhalb Hamburgs durch. Zu den Versiegelten zählten die späteren Apostel Friedrich Krebs, H. Friedrich Niemeyer (Begründer der Apostolic Church of Queensland), Heinrich Wachmann und wahrscheinlich auch Gustav Ruff. Die Gemeinde Schladen erlangte große Bedeutung für die Ausbreitung der Gemeinden in Mitteldeutschland.
In seinen letzten Lebensjahren kam es zu Spannungen mit dem Propheten Heinrich Geyer, der sich dem Apostel übergeordnet sehen wollte, da zu jener Zeit alle Ämter durch die Propheten berufen wurden.
Nach dem Tod des Apostels Preuß stellte der Prophet Geyer der Hamburger Gemeinde J.F. Güldner als neuen Apostel vor. Apostel Preuß hatte allerdings vor seinem Tod dem Ältesten Wichmann die Leitung der Hamburger Gemeinde übertragen. Dieser und die übrigen Apostel erkannten die Rufung des neuen Apostels nicht an. Es kam zur Spaltung der Gemeinde.
Die Anhänger Geyers und Güldners behielten den Namen Allgemeine christliche apostolische Mission bei und lösten sich Jahre später auf.
Die verbliebene Hamburger Gemeinde erhielt 1881 in Friedrich Krebs einen neuen Apostel, nachdem der verwaiste Bezirk vorübergehend von Apostel Friedrich Wilhelm Menkhoff betreut worden war. Zusammen mit den übrigen Aposteln und Gemeinden der „neuen Ordnung“ nannten sie sich nun Neuapostolische Gemeinde, bzw. später Neuapostolische Kirche, zu der sich heute weltweit ca. 10 Millionen Mitglieder bekennen.